Giraffen summen

Sollmann weiß, was Babys wollen

Im Dschungel in Wien erlebte ein höchst erfolgreiches Projekt der schallundrauch agency Premiere. Zielpublikum: Babys ab 6 Monaten.

Im Dschungel in Wien erlebte ein höchst erfolgreiches Projekt der schallundrauch agency Premiere. Zielpublikum: Babys ab 6 Monaten. Wer meint, das sei ein Gag, denn was sollten denn kleine Kinder in diesem Alter schon mitbekommen?, der oder die wurde während einer Vorstellung eines Besseren belehrt. „Giraffen summen – Eine bekrabbelbare Performance für Babys“ nennt sich die neue Produktion des Wiener Ensembles für außergewöhnliche Theaterformate genau.

Jules Mekontchou, Michael Haller und Una Wiplinger bewegen sich inmitten des großen, runden Kreises, der mit niedrigen Sitzelementen nach außen gut abgezirkelt ist, ganz, ganz langsam. Sie sitzen am Boden und spielen ein wenig mit den dort platzierten, bunten Pölstern. Heben einen nach dem anderen hoch. Nach und nach beginnen sie mit den Fingern zu schnippen, mit dem Mund Geräusche zu machen und schließlich zu singen. Viele der Kleinen, die noch zu Beginn der Vorführung bei ihren Eltern saßen, machen sich spätesten zu diesem Zeitpunkt robbend auf Wanderschaft in die Kreismitte. Versuchen selbst, die großen, aber leichten und weichen Pölster anzugreifen, sie umzudrehen, in den Mund zu nehmen. Einige wenige, die zwar wackelig, aber immerhin schon gehen können, erkunden den Raum ein wenig forscher. Mit großen Augen bestaunen bald alle Babys die drei Unbekannten, die mitten unter ihnen sitzend, so tolle Laute von sich geben.

Bald schon verwandeln sie sich in Giraffen, stolzieren über die Kleinen, recken ihre Arme in die Luft. Ein kleines Glöckchen, das sie antippen, erweckt abermals die Neugierde des jungen Publikums und als Michael aus einem Sack lauter rasselnde, bunte Plastikeier auf den Boden wirft, kommt richtig Stimmung auf. Kaum eines der Kinder reagiert nicht auf diesen magischen Reiz. Wer kann, versucht so rasch wie möglich so ein wunderbares, buntes Spielzeug zu ergattern. Und davon ist genug für alle da. Nun darf gerasselt werden, was die kleinen Hände so hergeben.

Janina Sollmann, verantwortlich für die Idee und die Regie, weiß, was Babys wollen. Ihre Inspiration, der eigene Sohn Sebastian, ist selbst erst knapp über ein Jahr alt und schon mitten drin im Geschehen. In vielen Sessions, zu denen Eltern eingeladen waren, wurde der Aufbau der Performance Schritt für Schritt gestaltet. „Dabei sind wir musikalisch immer mutiger geworden und haben schließlich auch den Rocksong von Michael, den er für seine kleine Tochter geschrieben hat, eingebaut“, erklärte die Theatermacherin. „Jede Vorstellung ist anders, denn die Reaktionen kann man ja nie vorhersehen“, und doch haben bis jetzt alle funktioniert. „Die Eltern kommen auch, weil sie hier einen Raum vorfinden, in dem ihre Kinder so sein dürfen, wie sie sind.“ Die 30 Minuten sind gut getaktet, bieten immer wieder neue Akzente, die für das Krabbelpublikum interessant sind, aber auch genug Möglichkeiten, sich dazwischen ein wenig auszuruhen.

Nicht nur optische und akustische Reize machen die Vorstellung so besonders. Die Babys finden vor allem auch Gefallen aneinander und so manche schließen dort im Handumdrehen neue Windelfreundschaften. Am Ende sind alle eingeladen, noch zu verweilen, so sie möchten. Und tatsächlich verlässt niemand von den Eltern den Raum. Das Sitzen, das Beobachten, wie sich die Kleinen miteinander vergnügen, die Ruhe und der geschützte Raum bieten eine Art Oase inmitten des Großstadt-Dschungels. Und außerdem muss man ja noch darüber nachdenken, was Giraffen denn eigentlich so summen.

Wegen des großen Erfolgs sind Wiederaufnahmen schon im Frühsommer und Herbst geplant. European Cultural News, Aurelia Gruber, 21. April 2016,


Wenn Babys auf der kleinen Bühne krabbeln...

In der rund dreiviertel-stündigen Performance "Giraffen summen" im Dschungel Wien sind mitspielende Kleinstkinder willkommen.

„Giraffen summen“ hält, was die Performance im Untertitel verspricht: bekrabbelbar. Gleichzeitig handelt es sich bei der Produktion der schallundrauch agency doch um eine künstlerische Performance und nicht „nur“ einen betreuten temporären Kleinstkinderspielplatz.

Umgrenzt von unterschiedliche hohen Sitzbänken – vor allem für die (begleitenden) Erwachsenen – finden in der Spiel-Arena unterschiedlich runde, ovale und andere unregelmäßig gerundete, kleine und ziemlich große flache graue Schaumstoff-Teile. Mittendrein: Eine Frau und zwei Männer mit Gewändern, die an manchen Stellen an Giraffen-Muster erinnern.

Verschiedene "Sprachen"

Jede/r der drei stellt sich sozusagen mit einem anderen Geräusch vor: Der ein pfeift, die andere gibt ein „rrrruck“ von sich, der dritte klatscht. Mit ihren unterschiedlichen „Sprachen“ versuchen sie Kontakt aufzunehmen, zu kommunizieren – bis sie einen gemeinsamen Rhythmus finden. Immer wieder spielen sie dabei auch mit den auf dem Boden liegenden Teilen, die krabbelnden Kinder agieren völlig unterschiedlich. Die einen sitzen staunend am Bühnenrand, andere krabbeln auf die Akteur_innen zu, treten per Augenkontakt, Bewegungen oder über die weichen, handlichen Teile in Interaktion mit den Spieler_innen. Die besagten Teile haben übrigens auf der Unter-/Rückseite verschiedene bunte Farben.

Gesprochen wird nicht viel, „nur“ ein wenige darüber, dass sich Giraffen – angeblich – durch Summen – in für menschliche Ohren nicht hörbaren Frequenzen „unterhalten“. Im Herbst des Vorjahres gingen Studienergebnisse der Zoos von Wien, Berlin und Kopenhagen auf der Basis von 1000 Stunden Audiomaterial durch die Medien. Neben Schnaub- und Grunzgeräusche wurden vor allem nachts harmonisches, kontinuierliches, frequenzmoduliertes Summen aufgezeichnet.

Eltern-Erfahrung

Auf die Giraffen kam die Perform-„agency“ vor allem dadurch, dass einige ihrer Mitwirkenden in den vergangenen zwei Jahren Eltern geworden sind jeweils früher oder später auf „Sophie, die Giraffe“ aus Kautschuk stießen, ein weit verbreitetes und beliebtes Kleinkinder-Spielzeug, das auch als Beiß-Ding beim Zahnen gute Dienste leistet.

Alles in allem ist „Giraffen summen“ eine sehr gelungene Performance für schon allerjüngste Theaterbesucher_innen wo ihr Eingreifen und -schreiten gewünscht und nicht als störend empfunden wird, und dennoch eine theatrale Geschichte mit unterschiedlichen Stilmitteln erzählt wird.

Kinderkurier, 16. April 2016,