Montag

Der Montag muss gar nicht so sein…

„schallundrauch agency“ spielt in „Montag“ aneinandergereihte Szenen und Songs über den (oft) verhassten Wochenbeginn.


Wääääh Montag. Schon wieder … Viele empfinden den Wochenbeginn – ob in Schule oder Job – wirklich unangenehm. Wahrscheinlich mindestens genauso viele lassen sich von dieser Stimmung anstecken. Die Theaterleute der „schallundrauch agency“ haben sich diesen vielleicht verhasstesten Wochentag in unserer Gegend hergenommen, um darüber eine Performance zu erarbeiten. Und wie bei (fast) allen Stücken machten sich Mitwirkende der Gruppe auf, um in Schulen in Workshops von Kindern und Jugendlichen zu erfahren, was sie mit Montag verbinden. Dazu gesellen sich in der Regel auch nicht wenige eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit dem jeweiligen Thema.

Aus diesen „Zutaten“ mixen die Performer_innen mit Regie und weiteren Kreativen der und rund um die „agency“ im Probenprozess ein Bühnenstück, eine Performance, dieses Mal eine Art Nummern-Revue (© Dschungel-Wien-Intendantin Corinne Eckenstein). Kabarettreif mit clownesken Elementen switchen Elina Lautamäki, Gabriele Wappel, Martin Wax von Business-Leuten zu Schlagerstars. Von verschiedensten Ecken und Enden nähern sie sich dem Phänomen Montag. Und das mit viel Witz, Humor und (Selbst-)Ironie.

„Schatzi, du schaust so schön aus, wenn du unausgeschlafen bist“ ist nur eine Song-Zeile von Elina Lautamäki, die in einer Szene von der Art her ein wenig Helene Fischer auf die Schaufel nimmt. Zwischen Songs, Schauspiel und Tanz pendelnd, zitiert das Trio Aussagen von Schüler_innen aus den Workshops die von „Kindergefängnis“, wie ein/e Jugendliche/r den Montag nannte bis „ist eh gut wie es ist“.

In den Schluss-Song bauen die Drei auf der Bühne auch viele jener Wünsche an Montage ein, die sie vor dem Eingang das Publikum auf Zettel schreiben lassen.

Nach der Vorstellung erzählt eine Lehrerin, dass bei ihr in der Schule zumindest in einigen Klassen jeder Montag mit einem gemeinsamen Frühstück beginnt. So hatte einer der Wunschzettel gelautet. Diese Zeit, so die Lehrerin, ist keinesfalls, wie manche befürchten könnten, verloren, sondern im Gegenteil gewonnen. Und das lässt sich urleicht ausmalen ;)

(Auch) Montag kann sein, was du/was ihr draus machst/macht!

Heinz Wagner, Kurier, KiKu, 22.11.2019


Schallundrauch agency: „Montag“, Dschungel

Wie immer der Montag gefärbt ist, blau, rot oder grün, kaum jemand, der ihn mag. Schüler*innen und Erwachsenen, den meisten fällt zum Montag nur „Bääh“ ein. Elina, Gabi und Martin von der schallundrauch agency wissen das auch und setzen alles dran, den schlechten Ruf von Montag zu ändern. Am 22. November war im Dschungel Theaterhaus Premiere, dann wird der Montag vorerst bis 28.November durchgewalkt und abgearbeitet. Das ist natürlich viel zu wenig, diese feine Unterhaltung muss auch im nächsten Jahr wieder auf die Bühne kommen.

Weil Martin (wieder einmal) zu spät kommt, denken Gabi und Elina über seine Ausreden nach. Sie denken richtig, wenn er endlich eingetrudelt ist, hat er genau die Erklärungen parat, die bereits bekannt sind. Sie sind auch wirklich gut zu gebrauchen.

Im Businessdress mit Aktentasche unterm Arm und Gesang in der Kehle und Tanz in den Beiden begeben sich die drei in ihr Büro und achten streng darauf, dass es nicht zu einem Bore-out (oder wie das heißt) kommt. Eine knappe Stunde kann sich das Publikum ab 8 (im Dschungel wird „ab 11“ empfohlen, aber ich denke, schon Achtjährige können 50 Minuten ruhig sitzen) amüsieren.

In den Stücken der schallundrauch agency wird ja selten nur eine Geschichte erzählt, sondern eine Kette angeboten, an der viele kleine Geschichten und Gedanken und Szenen und Tanz und Gesang und Verwandlung aufgefädelt sind wie schimmernde Perlen. So ähnelt auch „Montag“ mehr einer Kabarettvorstellung mit Tanz und Musik, die mit Leichtigkeit und Esprit alle Ansprüche erfüllt. Diesmal hängt an der Assoziationskette Gabi (Gabriele Wappel) als fauler Löwe und stellt die Frage, ob die Löwen wirklich so faul und die Bienen tatsächlich so fleißig sind, wie ihnen nachgesagt wird.

Es gibt für die agency kein Thema, von „Montag“ bis „Parole Haifisch“ und „Nashörner“, bei dem es nicht um Gott und die Welt (unsere Welt) geht, aber das ist ja auch schon ein Stück geworden: „Gott und die Welt“. Immer darf das Publikum über alles und nichts mitlachen, mitunter auch mitsingen. Zum Beispiel den Nonsensrefrain „Motten im Kakao“ und später dann nachdenken. Zum Beispiel über Karõshi. So wird in Japan der Tod durch Arbeit genannt, in China heißt das „guòláosǐ. Zum Glück hat Europa noch keinen Namen dafür, Arbeitsbienen sind unerwünscht.

Die Merkmale der schallundrauch agency (gegründet 2003 von Gabriele Wappel und Janina Sollmann)) sind die Authentizität der Mitwirkenden, die sich auf sehr persönliche Weise mit den Themen auseinandersetzen, und die unbekümmerte Lockerheit ihres Spiel, das alle Formen der darstellenden Kunst beinhaltet. „Die Darsteller*innen kommen aus unterschiedlichsten Bereichen und prägen den Stil der agency durch Einzigartigkeit.“ Dieser Selbstbeschreibung kann nicht widersprochen werden.

Ditta Rudle, Tanzschrift, 24.11.2019